Ein Sonntagsausflug ins Tal der Jahrtausende

Bei etwas bewölktem Himmel haben wir uns zu einem Ausflug ins Hahnenbachtal nach Bundenbach auf den Weg gemacht. Mit Bergwerk, Burgruine und Keltendorf gibt es hier auf wenigen Kilometern sehr viel zu entdecken. Deshalb versprach das ganze ein spannender Tagesausflug für die ganze Familie zu werden.

Wir starten zeitig – auch wenn Bundenbach nur 43 km entfernt liegt – gibt es doch keine wirklich schnelle Verbindung. Dafür fahren wir durch viele verschlafene Dörfer und durch reichlich Landschaft. Auf der Höhe hinter Wickenrodt können wir dann ein imposantes Naturschauspiel beobachten. In der sich aufwärmenden Morgensonne nutzen 6-8 Rotmilane die Thermik eines abgeernteten Getreidefeldes für Pirouetten und Sturzflügen. Sie scheinen sich gegenseitig mit ihrer Akrobatik überbieten zu wollen.

Mit Bundenbach und dem Keltendorf verbinde ich einige vielschichtige Erinnerungen. Es ist allerdings auch schon eine halbe Ewigkeit her, dass ich hier das letzte mal war. Der Parkplatz am Besucherbergwerk Herrenberg mit seiner riesigen Schieferhalde kam mir jedenfalls noch ziemlich unverändert vor. Einzig das Infoschild zur Traumschleife Hahenbachtour schien jüngeren Datums zu sein. Die 9,5 Kilometer sollten ja für einen ganzen Tag und den vielen Attraktionen machbar zu sein. Soweit jedenfalls unsere Planung.

Vom Parkplatz konnte man gleich schon zum ersten Aussichtspunkt hochkraxeln. Wir hangelten uns also den steilen Felsen hinauf und wurden mit einem ersten Ausblick auf die Schmidtburg belohnt.

Nachdem wir von unserem Aussichtshorst wieder heruntergeklettet sind, informiert uns eine Infotafel darüber, dass wir gerade auf dem Suppenträger-Weg unterwegs sind. Die Bundenbacher Kinder hatten bereits um 12.00 Uhr Schulschluss um den Vätern ihr Mittagessen im Kesselchen in die Schieferbrüche und das Bergwerk bringen zu können. Der kürzeste Weg vom Dorf war der Suppenträgerweg.

Mir kam eine Geschichte in den Sinn, die meine Oma von der Lehrzeit Ihres Vaters erzählte.

Dieser machte eine Lehre in einem Kohlebergwerk an der Saar. Als Lehrling hatte er die Aufgabe die Kessel seiner Kumpel warm zu machen. Hierbei machte er es wohl den altgedienten Bergmännern nicht recht. Mal war die Suppe zu kalt. Mal waren die Kartoffeln angebrannt, mal verkochten die Reste vom Sonntagsbraten zu Brei. Gleichzeitig warm machen, konnte er die Kessel auch nicht. So gab es in jeder Mittagspause Gezeter und Gemaule.

Irgendwann hatte er davon die Nase voll. Also schnappte er sich einen Schubkarren schüttete alle Kessel zusammen und machte darunter ein Feuer. Die Kartoffeln, Möhren, Erbsen, Würste, Bratenreste, Nudeln und sonstigen Ingredienzien verkochen zu einem grauen Arbeiternährschlamm. Als die Kumpel ihren Mittagstisch einnahmen, gab es ein großes Hallo! Aber von dem Tag an hat sich niemand mehr über den aufgewärmten Kessel beschwert.

Gegen 11.40 Uhr erreichten wir das Schieferbergwerk. Unsere Freude wurde allerdings schnell gebremst. Es werden 2 Führungen am Tag angeboten. Eine um 11.30 Uhr und eine um 14.00 Uhr. Die Erkenntnis, gerade eine Führung verpasst zu haben schlug bei den Kindern gleich auf die Stimmung. Nicht, das ich mich tags zuvor noch auf der Webseite des Bergwerks informiert hätte. Da stand einiges von Barrierefreiheit. Von Barrierefreiheit in zeitlicher Hinsicht kann man hier leider nicht sprechen. Wir packen also erst einmal ziemlich ratlos unsere Rucksäcke aus.

Zum Mitgebrachten Picknick bestellten wir uns noch Fritierkartoffeln für alle. Das nun zur Verfügung stehende Zeitfenster von 2,5 Stunden stellte uns vor einige Schwierigkeiten. Mit 4 Kindern war es eher unwahrscheinlich nochmal kurz vor 14.00 Uhr hier zu sein. Nach der Führung erst mit der eigentlichen Wanderung zu beginnen, wäre vermutlich zu spät geworden. Also besuchten wir zuerst einmal das “Fossilienmuseum”. Für die 3 € je Erwachsenen und 1,5 € je Kind waren die drei kleinen Räume schon mal gut bezahlt. Murr. Zeitlich hat uns diese Investition auch nicht wirklich weitergebracht.

Die versteinerten Überreste von Wasserlebewesen aus dem devonzeitlichen Urmeer sind sicherlich selten und genießen auch einen gewissen Ruf in der Fachwelt. Die Ausstellung wirke jedoch ziemlich altbacken und mit Exponaten in Schaukästen können unsere Kinder nicht all zu viel anfangen. Da sind sie vielleicht von anderen museumspädagogischen Angeboten etwas verwöhnt.

Das uns in der Keltensiedlung ein selbsternannter Kelte durch die Häuser führt, fand ich nicht wirklich verlockend. Die Erfahrung hatte ich bereits vor Jahren..

Die ziemlich gedrückte Stimmung an unserem Tisch bemerkte scheinbar auch ein junger Familienvater am Nachbartisch. Es stellte sich heraus, dass auch er mit seinen 2 Kindern gerne ins Bergwerk wollte und organisierte uns als gebürtiger Bundenbacher kurzentschlossen eine Sonderkinderführung. Kurzweilig und lehrreich vermittelte die junge Führerin ein anschauliches, kindgerechtes Bild von dem Arbeitsalltag unter Berge. Die Welt unter Tonnen von Felsen ist immer wieder ein schaurig beeindruckendes Erlebnis. Das Bergwerk mit seinen großen Weitungen und Hallen war auch Kulisse in den Heimatfilmen von Edgar Reitz.

Nachdem die Geschichte mit dem Bergwerk doch noch eine positive Wendung genommen hatte, konnten wir endlich mit unserer Wanderung beginnen. Der Weg sollte uns nun unter schattigen Eichen zum nahe gelegenen Keltendorf bringen. Die vorzeitliche Fliehburg liegt auf einem Bergrücken über dem Hahnenbach in Sichtweite zur Schmidtburg. Der Felssporn wurde in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Archäologen vollständig freigelegt und erforscht. Hierbei kamen hunderte von Pfostenlöchern im Schiefergestein zum Vorschein. Hieraus ließen sich die Grundrisse von Häusern an verschiedenen Bauphasen rekonstruieren. 1988 wurden dann nach dem archäologischen Befund einige der Häuser rekonstruiert. Hier habe ich vor Jahren mache Stunde am Lagerfeuer zugebracht.

Unser Zeitmanagement war ja schon etwas aus dem Tritt geraten, weshalb wir einen Besuch der Anlage dieses mal ausfallen ließen. Das werden wir dann wahrscheinlich nächsten August bei einem Besuch des Folkfestivals nebst Markttreiben nachholen.

Außerdem beschlossen wir, die Traumschleife Hahnenbachtour zugunsten der nur 5 km langen Familienwandertour zu verlassen. Das man darüber hinaus noch weitere Strecken kreuzt, führte auf der weiteren Wanderung gelegentlich zu Verwirrungen. Manchmal wären weniger mehr.

Wir genossen noch einen letzten Blick hinüber zum anderen Ufer des Hahenbaches der stattlichen Ruine der Schmidtburg und traten dann unseren Abstieg ins Tal an. Die Kinder staunen nicht schlecht, als ich ihnen erzählte, dass ich hier vor Jahren einem Filmdreh mitgearbeitet habe.

Natürlich mussten wir uns dann abends die ZDF-Doku Terra X “Der Chiemgaukomet – Stunde Null im Keltenreich” gemeinsam ansehen.

Am Fuße des Altburgplateaus können wir die Spuren vor Reifen vorzeitlicher Karren erkennen, die tiefe Spurrillen in den Schieferfelsen geschliffen haben. Fast konnte man das Scheppern der eisenbeschlagenen Wagenräder im stillen Wald hören.

Wir überqueren den Hahnenbach über eine schmale Fußgängerbrücke und beginnen unseren Marsch hinauf zur Burg.

Mit diesem Weg verbinde ich eine meiner eindringlichste Naturerlebnisse. Wie dunkel kann dunkel sein? Als ich vor Jahren einmal auf der Altburg kampierte, besuchte ich gemeinsam mit meinem Kompagnon einige Freunde, die das gleiche auf der Schmidtburg taten. Als wir dann gemütlich im Zelt zusammen saßen begann es zu regnen. Wir beschlossen abzuwarten, irgendwann würde der Regen sicherlich nachlassen. Leider tat uns die Natur diesen gefallen nicht und es regnete sich richtig ein. Also brachen wir irgendwann mitten in der Nacht auf.

Wir hatte weder Lampe noch Regenschirm dabei. Bereits nach ein paar Metern hatten die Fichten das spärliche Licht, dass aus dem Zelt herausglimmte, vollkommen verschluckt. Durch die Wolkendecke waren keine Sterne auszumachen und zu allem Überfluss war es auch noch die Neumondnacht. Wir stolperten und tasteten uns also langsam den Burgberg hinunter. Wie weit man auch die Augen aufriss, kein Fitzel Licht war zu erkennen. Nach gefühlten 3 Stunden kamen wir schließlich auf der Altburg an. Völlig durchnässt aber von dem eindringlichen Erlebnis ganz in den Bann genommen, sank ich in den Schlaf…

Die Schmidtburg taucht ziemlich unvermittelt vor uns aus. Die Anlage soll anlässlich der Ungarneinfälle in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts gegründet worden sein. Aber auch ihre erste urkundliche Erwähnung 1084 macht sie zu einer der ältesten Burgen im Hunsrück. Während des Pfälzischen Erfolgskrieges wurde die Burg 1688 von französischen Truppen zerstört. Sie diente zeitweilig dem Räuberhauptmann Schinderhannes als Unterschlupf und ist auch heute als Ruine ein stattliches Bauwerk.

Die Kinder eroberten nun den großen Abenteuerspielplatz aus Mauern, in den Stein gehauenen Treppen, Fensterbögen und Brücken. Nachdem dann alles erkundet war, machten wir uns über den restlichen Inhalt unserer Rucksäcke her.

Tipp: Gegen einen kleinen Obulus kann man auf der Schmidtburg auch sein Zelt aufschlagen. Die Telefonnummer des Burgverwalters findet man auf der Burg angeschlagen.

Entlang der Burgmauer bringt uns der Weg wieder hinunter ins Hahnenbachtal und folgt dem Bachlauf eine ganze Weile. Wir überqueren schließlich den Bach erneut und beginnen abermals sanft den Anstieg.

Den Berghang geht es hinauf, das Tal wird vor unserem Auge immer kleiner. Bis wir an einem Tunnel ankommen. Direkt dahinter ein weiterer. Man könnte denken, die Tunnel seinen extra für den Wanderweg angelegt worden. Eine Infotafel klärt auf: Wir durchschreiten die Überreste einer Schienenbahn, die das Erz der Zink- und Bleigrube Friedrichsfeld auf Loren ins Tal brachte. Von 1931 bis 1952 wurde hier Bergbau betrieben. Ein paar weitere Überreste rosten am Wegesrand vor sich hin.

Noch einmal gab der Wald einen herrlichen Fernblick auf die Schmidtburg und die Schieferhalde des Schieferbergwerks Herrenberg frei bevor wir wieder unseren Parkplatz erreichten.

Das Hahnenbachtal rund um Bundenbach hat auf engem Raum sehr viel zu bieten. Gerne kommen wir wieder und erkunden auch noch die Ruine der Hellkirche, die dieses mal ausfallen musste. Sie lag leider auf dem Teil der Strecke, den wir haben ausfallen lassen müssen.Schön wäre es – und das hätte dieses touristische Highlight den Hunsrücks wirklich verdient – wenn das Besucherbergwerk besser zugänglich wäre. In der aktuellen Form sorgt es wohl mehr für Verdruss wie zur Freude der Gäste.

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