Indian Summer zu Füßen des Schaumberges

Keine Kommentare

Im November sollte man beim Wandern flexibel sein. So checkte ich vorgestern die Wettervorhersage und beschloss morgens früh auf Tour zu gehen. Meine Wahl fiel auf die Tafeltour Offizierspfad rund um das Hofgut Imsbach bei Tholey. Gegen 9.00 Uhr erreichte ich den Startpunkt meiner Wanderung. Ich nutzte den Wanderparkplatz direkt vor dem Hofgut und hatte somit die erste Sehenswürdigkeit direkt vor der Nase. Die Niederungen waren in feine Schleier gehüllt. Langsam zogen die Nebelfetzen durch das Tal; darüber ein dunkelblauer Himmel.

Die Gastronomie des Hofgutes hatte letztes Jahr den Pächter gewechselt und wir waren seinerzeit da, um auf dem großen Flohmarkt nach Sachen für unser Café zu schauen. Damals sind durch alle Räume und über das ganze Gelände Scharen von Menschen gelaufen. Heute morgen keine Seele nur Stille und von Feuchtigkeit gesättigte Luft. Die Kapelle auf dem Hügel hatte ich letztes Jahr gar nicht wirklich wahrgenommen. Also erklomm ich zuerst einmal den Hügel.

Oben angekommen zauberte der Nebel ein magisches Licht zwischen die Bäume. Die wenigen verbliebenen Blätter wurden von der Morgensonne flach angestrahlt und schienen fast zu Brennen. Die Kapelle war verschlossen. Der Infotafel konnte ich entnehmen, dass das Bauwerk 1904 von Bertha Wilhelmine Böcking für ihren Ehemann Louis Albert Lapointe erbaut wurde. In der Gruft unter der Kapelle liegen beide begraben. Der Name liest aufhorchen, also reagierte ich ein wenig.. Als Bertha 1843 im Herrenhaus der Abentheuerer Hütte geboren wurde, brannten dort noch die Höchöfen. Von der Terrasse genoss ich den Ausblick über das Hofgut, es lag noch völlig im Schatten. Dunst stiegt von den Dächern empor.

Ich kehre zurück auf die eigentliche Wanderstrecke und kam durch das Seitentor in den Innenhof des Gutes. Eine großbürgerliche Gutsdomaine wie man sie wohl eher in der Mark Brandenburg erwarten würde. Bereits 1310 wird hier eine Siedlung erwähnt. In Jahre 1812 verschenkte es Napoleon für seine militärischen Verdienste an den Reiteroberst Charles Louis Narcisse Lapointe. Lapointe legte um die Hofdomaine einen Landschaftspark im englischen Stil an. 1817 kam das Gut dann als westlichster Zipfel zu dem an den Herzog von Oldenburg gefallenen Fürstentum Birkenfeld.

Außer einem großen Brunnenbecken und einem herrschaftlichen Eingangsportal ist nicht mehr viel vom alten Glanz zu sehen. Also folgte ich der Beschilderung des Offizierspfades zu einem der Weiher, der wohl einst Teil des Landschaftsgartens war. Der von der Wasseroberfläche aufsteigender Dunst wurde magisch von der Sonne angestrahlt. Tautropfen funkelten auf Zweigen und Grashalmen. Auch der folgende Auenwald war in ein Licht aus einer anderen Welt getaucht. Auenland? Anderswelt? Feenland? Ach #schon scheen loh.

Den folgende Abschnitt dominierten Buchen. Licht sind inzwischen die Baumkronen geworden. Beständig topfte mir der Tau auf den Hut, während laut unter meinen Füßen die trockenen Blätter raschelte. Aus der Ferne war laut das Echo von Spechtgeklopfe zu hören.

Ein Hinweisschild informiert über eine Grube für Rötelabbau. Offensichtlich hatte der Abbau dieses Minerals im 19. Jahrhundert eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung.

Ich erreichte den ersten einer ganzen Reihe von Grenzsteinen, die als Folge der Bestimmungen des Versailler Vertrages die Grenzen zwischen dem Deutschen Reich (D) und dem Saargebiet (D) markiert haben. Die Morgensonne zauberte ständig wechselnde Lichtstimmungen in den Wald.

Ich passierte die Quelle der Imsbach und verließ schließlich den Wald. Auch die Felder wurden von der allmählich steigenden Sonne aufgewärmt. Aus dem Nebelschleier ragte der Schaumberg mit seinem Turm als deutliche Landmarke heraus. Am Waldrand entlang geht der Weg nun bis zum Ortsrand von Selbach und schließlich wieder in den Wald hinein.

Ein weiteres Hinweisschild informiert über die Überreste eines einigen Kohlemeilers. Der Wald ist voller Spuren der Menschen, man muss sie nur zu lesen wissen. Leider gelang es mir in diesem Fall nicht wirklich. Ich konnte die Hinterlassenschaften des Holzkohlehandwerks nicht wirklich ausmachen. Nach einem kleinen Fichtenwäldchen erreichte ich wieder den Waldrand und beschloss die hier aufgestellte Sinnenbank zur Rast zu nutzen. Der Blick kann hier über die herbstlichen Felder mit den struppigen Heckenreihen und einzelnen Baumgeistern bis zum Höhenkamm des Hochwaldes schweifen.

Der Weg verlässt nun den Höhenzug und erreicht wieder das Tal der Imsbach. Kugelige Alleebäume, Wiesen mit Hinterwälder Rindern – Mensch und Natur können so harmonisch miteinander im Einklang sein.

Napoleon-Eiche

Die mächtige Napoleon-Eiche rückt wieder ein Stückchen Geschichte des Hofgutes Imsbach in den Fokus. Die über 300 Jahre alte Stieleiche war eine Grenzmarke des Hofgutes und wurde von Louis Lapointe nach dem Kaiser der Franzosen benannt.

Nach einer weiteren kurzen Strecke entlang der Bachaue gelangte ich schließlich zur Johann-Adams-Mühle.

Die Mühle wird bereits 1589 urkundlich erwähnt und wurde fachgerecht und liebevoll saniert. Sie beherbergt ein kleines Museum mit der authentischen Ausstattung der Mahlstube und allerlei Utensilien des Müllerhandwerks. Allerdings muss man eine Besichtigung gründlich planen, die Öffnungszeiten sind eher übersichtlich.

Zum Anwesen gehört ein Landgasthof. Die solide Küche hatte ich im Sommer schon einmal ausprobiert. Von der ausgefallenen, regionalen Speisekarte war ich positiv überrascht. In der rustikalen Gaststube kann man gemütlich sitzen. Die Vogelhausdekoration, die überall von der Decke baumelte fand ich allerdings etwas too much.

Durch die kaum noch belaubten Sträucher und Bäume lässt sich das Wassersystem der Mühle gut erkennen. Beeindruckend, wie viele Erdarbeiten hier mit den einfachen Mitteln des Mittelalters hier und anderswo bewältigt wurden. Welche Ingenieurleistung steckt hier in der Erde um die Kraft des Wassers nutzbar zu machen.

Von der Johann-Adams-Mühle ist es nun nur noch ein kurzer Weg zurück zum Hofgut Imsbach. Der Wald roch hier nach frischem Gras und fast nach Frühling. Ein letztes mal Kraft tanken für den Winter.

Die Gartenfassade des Hofgutes mit der Spiegelung des Gebäudes im stillen Wasser des Teiches bot zum Anschluss einen fast schlossartigen Anblick. Gerne hielt ich hier noch einmal kurz inne.

Die Tafelroute Offizierspfad ist eine leichte Wanderung mit kaum Steigungen durch eine abwechslungsreiche, malerische Landschaft. Sicherlich zu jeder Jahres- und Tageszeit ein lohnendes Ausflugsziel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü