Mehringer Schweiz

Moselsteig – Seitensprung: Extratour Mehringer Schweiz

Mehringer Schweiz, das klingt doch ziemlich spannend, dachte ich mir, als ich mich für diese Tour entschied. Das man von dem Autobahnparkplatz Mehringer Höhe einen wunderbaren Ausblick ins Moseltal hat, wusste ich schon.

Also machte ich mich auf nach Mehring. Bei der Ankunft war ich erst einmal ziemlich skeptisch: So ein blankgeputztes, akkurates Moseldorf. Jeder Einfamilientraum für den Zahlensklaven irgendeiner Steuerspartochtergesellschaft im nahmen Luxemburg hinnivelliert. Plan, anonym, steril. Als ich dann aber den Weg zwischen Mehrzwecksporthalle und Fußballplatz hinter mir ließ, stimmte mich die Landschaft freundlicher. Hi noch Sichtschutzbarrikaten aus Scheinzypressen, führte der Weg über eine Apfelbaumwiese, deren Früchte freundlich in der Morgensonne glänzten.

Wenige Schritte nur und der Weg wurde zum Pfad, gab zum erstem Mal ein Waldfenster mit einem herrlichen Moselpanoramablick frei und führte schließlich bis auf das Niveau des Moselufers herab. Dann begann erneut der Aufstieg. Das Hinweisschild man solle für den folgenden Abschnitt trittsicher und schwindelfrei sein, war nicht unberechtigt. Steil ging es bergan, schon nach wenigen Metern hatte ich deutlich an Höhe gewonnen. Unter mir lag ein Bächlein, steil in den Waldboden eingeschnitten. Felsen, Spaliere von Fichten alles strebte der Vertikalen entgegen.

Und dann wieder eine Stelle, die etwas Landschaft freigab: Die Autobahnbrücke auf der Mehringer Höhe. Nicht besonders lang überspannt sie eine Schlucht von einiger Mächtigkeit. Noch ein Stück anstrengenden Anstieges wurden dann mit dem ersten Höhepunkt nicht nur im topographischen Sinne belohnt. Der Aussichtspunkt Kammerwald gibt den Blick auf die Mosel Richtung Trier und Eifel frei. Traumhaft.

Die Sinnenbank bot den passenden Platz für eine kleine Stärkung und nach dem anstrengenden Anstieg war ein wenig Verschnaufen auch bitter nötig. Das Niveau des Hunsrückplateau war erklommen und der folgende Abschnitt war flacher und weniger Anstrengend. Trotzdem führte er der Pfad gelegentlich steil an dem Abhang entlang. Auf der Beschilderung bereits mehrfach angekündigt erreichte ich den 5-Seen-Blick. Aber auch hier war es nicht damit getan, die markierte Stelle zu erreichen, des wollten auch noch die 100 Stufen des hölzernen Aussichtturms bezwungen werden. Belohnt wurden die Mühen durch einen Blick über die Mosel in Richtung Trier und Bernkastel-Kues. Die mäandernde Mosel wird durch die sich vorschiebende Eifel zum Teil verdeckt, wodurch der Eindruck sich an einer Kette aufreihender Seen ergibt.

Fünf-Seen-Blick

Sanft abschüssige –  zur Abwechslung mal recht breite Forstwirtschaftswege – brachten mich schließlich zu den Hunsrücklagen der Mehringer Weinberge. Die stolzen Rebsoldaten scheinen Reíhe für Reihe ins Tal zu Marschieren. Welche Arbeit steckte in der Idee hier eine Pflanze zu kultivieren, die eigentlich ein milderes Klima bevorzugt. Alte Kulturlandschaft – mir kommt das römische Weinschliff von Neumagen in den Sinn. Terrassen, Steillagen, kunstvoll gesetzte Trockenmauern, brach liegende Parzellen wechseln sich ab. Dazwischen hört man immer wieder das Huschen von Eidechsen, die sich Sonnen, aber beim vibrieren meiner Schritte blitzschnell die Flucht ergreifen.

Weinberge Mehringer

 

Wieder ein Hinweisschild: Steil und Schwindelfrei. Es ging durch einen alten Steinbruch, diesmal ein richtig alpiner Abschnitt. Mehringer Schweiz – da war doch was. Große Schritte sind erforderlich, die Kletterhilfen habe ich danken genutzt. Ach ja und dann die durchgewätzen Wanderschuhe am Hinweisschild. Da hatte wohl jemand vor der Mehringer Schweiz kapituliert. Der weitere Weg durch die Weinberge war der einfachste Abschnitt der gesamten Tour. Das Kneipptretbecken mit efeubewachsener Schutzlaube habe ich hinter mir liegen lassen, inzwischen war aus der angegebenen 5 Stunden-Tour 7 Stunden geworden. Ich wollte nur noch zu Lord Charly, unserem Bulli.

Aber einen letzter Höhepunkt hatte ich noch vor mir: Immer wenn ich auf der Autobahn am braunen Schild der Römischen Villa Rusica Mehring vorbei fuhr, dachte ich mir, da solltest du mal einen Abstecher hin machen. Jetzt war die Gelegenheit gekommen. Bereits in den Weinbergen konnte ich die Dächer des antiken Hofgutes mitten im Ort ausmachen. Ich näherte mich also, und die Skepsis von heute morgen war wieder da. Der Weg gab vor, dass man sich dem Gebäude von hinten nähert – vorbei an einem Grundstück mit allerlei abgelegtem Gerümpel (rostiger Traktor, übriggebliebene Baustoffe etc.). Ok. um ein Foto von der Säulenreihe des Villa zu machen, war das wohl nicht der richtige Ort. Und dann das: Neo-Bauhaus-Bechflachdach-Gamionen-Fertighaus direkt neben einem 18 Jahrhunderte alten Kulturdenkmal. Kopfschütteln. Unser Dorf soll hässlich werden. Ich bin fassungslos. Wer genehmigt so etwas? Wer plant so etwas? Es stimmt wohl doch, die Spinnen die Römer, dass sie ihren doofen Bauernhof mitten in ein Neubaugebiet stellen mussten.

Der Seitensprung Mehringer Schweiz bietet viel, ein wenig Kondition sollte man allerdings mitbringen. Auch die Villa Rustica ist absolut sehenswert. Das drum rum ist so zum K… man muss es gehen haben. Also auf nach Mehring!

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.