More than Moor. Ortelsburch Morbach und die Ölmühlentour

In den Sommerferien waren wir vor allem auf familien- und kinderfreundlichen Pfaden unterwegs. Mit 7,5 km Gesamtlänge sollte die Traumschleife Ölmühlentour in Morbach auch für unsere Kinder problemlos zu bewältigen sein.

Vor einiger Zeit tauchte der Ortelsbruch auch in einem Ranking des Magazins Spiegel als einer von 16 Geheimtipps für Naturerholung auf. Das Thema Moorrenaturierung wird zur Zeit auch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald ziemlich kontrovers diskutiert. Deshalb wollte ich mir ein solches Projekt einmal ansehen, bei dem die Wunden der Entstehung vielleicht schon ein wenig verheilt sind. Also auf nach Morbach.

Unsere Wanderung beginnt am Ortsrand von Morbach an der Schmausemühle. Die 250 Jahre alte Ölmühle präsentiert sich uns in renoviertem, gepflegtem Zusand. Das Mühlrad klappert und das Gurgeln des Mühlbaches lässt an die früher hier verrichtete Arbeit denken. Leider können wir das Gebäude nicht besichtigen. Vielleicht schaffen wir es ja nächstes Jahr zum Mühlentag im Mai nochmal hierher, dann ist das Gebäude zugänglich. Irgendwie haben es die Menschen früher ästhetischer geschafft erneuerbare Energien zu nutzen.

Wir durchschreiten das Eingangstor zur Traumschleife und wandern auf einem Feldwirtschaftsweg unter Bäumen und Weiden durch das schmale Tal des Morbaches. Der Hügel zur Hunsrückhöhenstraße ist von einem Getreidefeld saftig grün eingefärbt. Darüber dieser besondere Hunsrücker Himmel: Wolkentürme setzen sich in lockerer Folge ins Unendliche fort. Das strahlende Blau dazwischen schmerzt fasst in den Augen.

Schmetterlinge, Orchideen, Grashüpfer – auf Schritt und Tritt entdecken die Kinder die Wunder der Natur.

Mama, guck mal, ein Schmetterling. Schnell, Papa, mach ein Foto.

Vier Kinder hüpfen, springen und kriechen durchs hohe Junigras. Der nun folgende Abschnitt im Wald bot nicht all zu viele Überraschungen. Vielleicht einmal von der lang ersehnten Sitzgruppe für unsere erste kleine Stärkung abgesehen.

Und dann kamen wir zum Aufstieg. Entlang der Trasse einer alten Überlandstromleitung galt es knapp 100 Höhenmeter zu überwinden. Kein Schatten und stetig bergan. Bis knapp unterhalb des Usarkopfes ging es geradeaus. Die Kinder hätten die Plackerei sicherlich mit einigem Gestöhne hinter sich gebracht, wäre der gesamte Anstieg nicht von Heidelbeersträuchern mit reifen Früchten gesäumt gewesen.

Wähle, Wähle, Heidelbeere dun dir ach die Schniss verschmeere.

So sind sie von Strauch zu Strauch gesprungen und haben den Aufstieg fast gar nicht bemerkt. Erst als sie oben angekommen waren, waren alle mächtig beeindruckt wie klein da untern im Tal alles aussieht und dass sie den ganzen Weg gelaufen sind.

Der Weg führte uns nun wieder in den Wald hinein und hinunter ins Tal. Auch jetzt machten die reifen Brombeeren den Abstieg für die Kinder zum Gaumenschmaus.

Bereits die Hinweisschilder auf den Nixenweiher haben uns neugierig gemacht. Schließlich haben wir den mysteriösen Teich erreicht. Es gab ein großes Hallo als sich herausstellte, dass es ein Tretbecken war. Ohne viel nachfragen krempelten die Kinder ihre Hosenbeine hoch und waren doch in kürzester Zeit pitschnass. Nachdem alle sich so richtig ausgetobt hatten und kräftig durchgefroren waren, gab es noch einige lehrreiche Tafeln zu bewundern. Besonders beeindruckt waren wir von der Kollektion Plastikatrappen vom Kot einheimischer Wildtiere. Beim versehentlichen Reintreten also zukünftig genau beobachten, dann weiß man wenigstens was im Schuhprofil vor sich hin muffelt.

Zum Glück hatten wir noch Wechselklamotten für die Kinder dabei. So konnten wir uns zur nächsten Attraktion auf den Weg machen, dem Holzsteg quer durch den Ortelsbruch. Über den Holzweg wurde das Moor auch für gehbehinderte Menschen zugänglich gemacht. Die Vielfalt an unterschiedlichen Pflanzen dieses besonderen Lebensraums hat uns sehr beeindruckt. Das Feuchtgebiet ist spannend, fremdartig, bizarr und lässt hoffen, das die Mondlandschaft, die derzeit im Nationalpark die Gemüter hochkochen lässt in ein paar Jahren auch zu einem Paradies für seltene Pflanzen und Tiere wird. Auch hier findet man reichlich Information auf den aufgestellten Tafeln.

Und dann kam zum krönenden Abschluss noch ein riesiger Abenteuer-Waldspielplatz. Das reichliche Angebot an Spielgeräten haben die Kinder ausgiebig genutzt. Erst nachdem alle Rucksäcke leergefuttert waren konnten wir die Kinder davon überzeugen den Heimweg anzutreten.

Können wir mal wieder hierher fahren?

Besser kann man den Tag nicht zusammenfassen. Wir waren sicherlich nicht zum letzten mal im Ortelsbruch und auf dem Waldspielplatz. Ob wir allerdings nochmal die Schneise zum Usarkopf hochkraxeln, machen wir vermutzlich von der Heidelbeersaison abhängig.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.