Traumschleife Felsenweg

Die letzten Tage waren ziemlich stressig und ich war auf der Suche nach einer Tour, bei der ich mich ein wenig auspowern konnte. Da ich noch zu unserem Kaffeeröster nach Weiskirchen fahren musste, habe ich hier nach einer entsprechenden Strecke Ausschau gehalten. Der Felsenweg in Losheim-Waldhölzbach schien mir hierfür wie geschaffen: Bereits 2005 wurde er zum schönsten Wanderweg Deutschlands gewählt. Die Länge von 14 km lies darauf schließen, dass auch mal meine Beine das Denken übernehmen könnten. Außerdem war er der erste Wanderweg, der nach dem Traumschleifenkonzept angelegt wurde. Das machte mich neugierig.

Also machte ich mich auf die Socken…Das Eingangstor zur Tour steht mitten im Ort. Es geht ein paar Stufen nach oben in den Wald. Bereits nach wenigen Metern erreichte ich den ersten Felsen, mit einer kleinen Mariengrotte.

An der Stelle, wo der Hölzbach in den Ort Waldhölzbach fließt, erwartete mich die erste Überraschung: Ein Versorgungsautomat mit regionalen Produkten bietet alles was das Wanderherz begehrt. Von gekühlten Getränken über kleine Snacks bis hin zu leckerem Wein von der Obermosel. Man hat die Qual der Wahl. Ich entschied mich für den Wein, auch um auszuprobieren, ob die Abgabe gegen Ausweiskontrolle wirklich funktioniert. Regiomat

Es ging wieder in den Wald und ich hatte eigentlich noch gar nicht meinen Schrittrhytmus gefunden als ich schon das erste Highlight der Wanderung erreichte. Hoch über mir türmte sich der Teufelsfels auf. Geologie zum Anfassen, zum Verstehen. Der Sand eines urzeitlichen Meeres wurde zu Quarzit gepresst und durch Plattentektonik vertikal aufgerichtet. Die Erosion von Jahrtausenden hat dann die weicheren Bestandteile aus dem Felsen ausgewaschen. Es bildeten sich schmale Spalten zwischen denen sich hi und da runde Felsbrocken verkeilt haben.

 

 

Der jetzt folgende Abschnitt entlang des Holzbaches, der ein enges Kerbtal in die Landschaft gegraben hat, bot jetzt Gelegenheit beim Laufen meinen Gedanken nachzuhängen. Wie war das? Wandern ist eine Tätigkeit des Körpers und ein Zustand der Seele. Ich nehme auf einer Bank platz. Schließe die Augen und spüre, wie die Sonne durch die Blätter der Buchen auf meinem Gesicht tanzt. Bachrauschen, Blätterrauschen, ein Specht. Anspannung fällt von mir ab.

Die erste Kneipanlage lasse ich am Wegesrand liegen und mache eine weitere kleine Pause an der Schutzhütte unterhalb des runden Felsens.

Es folgt ein Abschnitt, der von 10 Grenzsteinen markiert, an einen Grenzstreit aus dem Jahre 1747 erinnert. Die Grenze zwischen den Orten Zerf, Waldhölzbach und Scheiden wurde seinerzeit durch einen Graben festgelegt, der neben den Grenzsteinen auch heute noch deutlich zu erkennen ist. So kann man auch den Verlauf der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland erkennen, was ja bis 1957 auch die Außengrenze der Bundesrepublik Deutschland  war. Hier mitten im Wald spürt man die Willkürlichkeit und Sinnlosigkeit derartiger Scheiden und Markierungen.

Über schmale Pfade erreiche ich den Bärenfelsen, der mit einer kleinen Überraschung aufwartet. Durch einen Canyon von verwitterten Quarzitbrocken gelangt man auf die höchste Stelle der Formation. Langgezogen liegt der Felsen wie der Bug eines gestrandeten Schiffes mitten im Wald. Doch weit und breit keine Spur von einem Bären. Ein wenig weiter ein Angelweiher mit Schutzhütte und der Kneipanlage Nummero zwo. Hier gibt es dann die Erklärung: Früher wurden die Schweine zur Eichelmast in den Wald um den Bärenfelsen geführt. Die Sauen paarten sich dann auch mit den Ebern, den “Béeren”, wovon der Fels dann seinen Namen herleitet.

Der Weg führt wieder in den Wald, passiert einen kleinen Wasserfall und Weiden mit alten, schattenspendenden “Hutebäumen”. Hier gab es schon immer Viehweiden, entsprechend hat die Nutzung Baum und Landschaft mitgestaltet. Ausgefurchte Mulden mit freigelegten Wurzeln unter den schattenspendenden Bäumen. Es folgt der Adlerfels. Zwar nicht so beeindruckend wie Teufels- oder Bärenfels, aber diesem Relikt des Ur-Ozeans nähert man sich dafür von oben. Man kann auf zwei Sinnenbänken zuerst die Fernsicht durch das Waldfenster genießen, ehe man entlang der Abbruchkante den Felsen hinunterwandert.

In dem nun folgenden Waldstück warten die spärlichen Überreste einer mittelalterlichen Burganlage auf mich. Die fleißigen Bauern der Umgebung haben die Wehranlage als Steinbruch benutzt und dabei ganze Arbeit geleistet. Nur an wenigen Stellen kann man an den Feldsteinen Mörtel erkennen und sie so vom umherliegenden Geröll unterscheiden. Ohne die Beschilderung der Traumschleife hätten ich so sowohl Ober- wie Niederburg wahrscheinlich glatt übersehen.

Das jetzt auch noch ein vermeintliches keltisches Felsheiligtum -.mit Blutrinne im Stein für Menschenopfer- im Wald liegen soll, würde ich ja normalerweise eher dem esoterischen Wunschdenken moderndem Toursismusmarketing zuschreiben. Allerdings war da eindeutig ein bärtiger, pausbackiger Zwerg im aufrecht stehenden Felsen zu erkennen. Und der zwinkert mir zu, lass dich nicht so ärgern. Na, vielleicht ging es ja einem keltischen Druiden am Felsen schon mal ähnlich..

Ich erreiche schließlich die Ortsrandlage von Scheiden, dem höchsten Ort des Saarlandes. Nachdem ich einige Wohnhäuser passierte, wartete ein Aussichtsplatz der Superlative aus mich. Auf einer drehbare Sinnenbank machte ich es mir gemütlich. Den Schaumberg erkannte ich mit bloßem Auge. Über weitere Punkte am 270°-Panorama informieren zwei Schautafeln. Sogar die Höhenlage der Vogesen waren am wolkenlosen, klaren Himmel zu erkennen. Ein kleiner Obstbaumlehrpfad machte auch den nun folgenden Abschnitt über offene Flur kurzweilig. Besonders musste ich über den Apfelbaum schmunzeln, der vom Sturm kopfüber auf einer Weide lag. Öfter mal die Perspektive wechseln. Ok das hat geholfen.

Mitten über eine Kuhweide zu laufen habe ich seit meiner Kindheit auch nicht mehr gemacht. Der Felsenweg gibt einem hierzu eine seltene Gelegenheit. Zuerst von zwei Reihen Rangerzaun geschützt, bleiben in der Mitte der Weide zwei große Lücken, damit die Tiere beide Teile der Weide nutzen können. Also hieß es nun auf Du und Du mit der Kuh.

Durch die ausgezeichnete Beschilderung des Weges erfährt der interessierte Wanderer von Details, die ohne Erläuterung vielleicht nicht erkannt würden. Die Hochstaudenflur als besonderer Lebensraum eines Feuchtraumhabitats wäre mir ohne die Erklärung sicherlich nicht sonderlich aufgefallen. Zudem ist die Niederung durch ein erhöhtes Holzpodest gut einsehbar. Ebenso der Niederwald, der Gehöfterschaft Mitlosheim. Hier hat sich eine mittelalterliche Form des genossenschaftlichen Gemeineigentums erhalten, die ein gemeinsames Bewirtschaften des Gemeindewaldes durch die Bürger ermöglichte. In diesem Abschnitt lässt sich gut erahnen, wie weite Teile des Waldes im Mittelalter ausgesehen haben mögen. Alle paar Jahr wurde der Wand abgeholzt. Der Stockaustrieb wurde dann einige Jahre wachsen gelassen. Die Rinde der Eichen dienten der Lohgärberei und kaum waren die Äste Faustdick, wurde wieder eingeschlagen, und so fort. Von mächtigen alten Bäumen war weit und breit keine Spur.

Auf dem letzten Abschnitt des Weges wurde dann noch ein Barfußpfad angelegt. Da der Nachmittag schon weit fortgeschritten war, habe ich meine Schuhe angelassen.

Der Waldhölzbacher Felsenweg bietet auf seinen 14 Kilometern sehr viel unterschiedliche Attraktionen, was ihn an keiner Stelle langweilig macht. Die Anstiege sind mäßig und gut zu bewältigen. Ich war sicherlich nicht zum letzten mal hier.

 

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